Wer bin ich, wenn ich nicht mehr singen kann?
Singen war für mich nie nur ein Hobby.
Es war Ausdruck.
Verbindung.
Identität.
Etwas, das immer da war.
Und irgendwann kam die Frage, vor der sich viele Menschen fürchten:
Wer bin ich, wenn etwas wegfällt, das mich so lange definiert hat?
Wenn plötzlich etwas ins Wanken gerät
Viele Menschen definieren sich über bestimmte Rollen, Fähigkeiten oder Aufgaben.
Über ihren Beruf.
Ihre Stärke.
Ihre Kreativität.
Ihre Stimme.
Ihre Leistung.
Das Problem ist:
Solange alles funktioniert, bemerken wir oft gar nicht, wie sehr wir unser Selbstbild daran geknüpft haben.
Erst wenn etwas ins Wanken gerät, tauchen plötzlich Fragen auf wie:
„Wer bin ich ohne das?“
„Bleibt dann überhaupt noch etwas von mir übrig?“
Identität hängt oft an Dingen, die wir verlieren können
Besonders schwierig wird es, wenn etwas wegfällt, das emotional tief mit uns verbunden war.
Denn dann verlieren Menschen nicht nur eine Fähigkeit.
Manchmal verlieren sie:
- Sicherheit
- Ausdruck
- Struktur
- Zugehörigkeit
- oder einen Teil ihres bisherigen Selbstbildes
Und genau deshalb fühlt sich so ein Verlust häufig viel größer an, als Außenstehende verstehen.
Wenn Selbstwert an Funktion gekoppelt wird
Viele Menschen wachsen mit dem Gefühl auf, wertvoll zu sein, wenn sie:
- leisten
- funktionieren
- stark bleiben
- gebraucht werden
- oder etwas „besonders gut“ können
Doch was passiert, wenn genau das plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist?
Diese Frage kann Angst machen.
Nicht nur beim Singen.
Sondern auch:
- nach Krankheit
- nach einem Unfall
- nach Burnout
- nach Verlust
- oder nach großen Veränderungen im Leben
Vielleicht bist du mehr als das, was du leisten kannst
Das bedeutet nicht, dass Verluste nicht weh tun.
Natürlich tun sie das.
Aber vielleicht liegt der eigene Wert nicht ausschließlich in einer Fähigkeit.
Vielleicht bleibt etwas von uns bestehen, selbst wenn sich Rollen, Möglichkeiten oder Lebensumstände verändern.
Und vielleicht beginnt genau dort eine andere Form von Selbstwert:
nicht über Leistung,
sondern über das eigene Menschsein.
Manche Fragen brauchen Zeit
Ich habe auf diese Frage nicht sofort eine perfekte Antwort gefunden.
Und vielleicht muss man das auch gar nicht.
Manche Fragen begleiten einen erst einmal.
Still.
Unbequem.
Offen.
Aber manchmal beginnt Veränderung genau dort:
in dem Moment, in dem man sich erlaubt, diese Frage überhaupt ehrlich zu stellen.
Im Workbook Seelenstoff geht es unter anderem um Selbstwert, Identität, emotionale Belastung und die Frage, wer wir sind, wenn äußere Sicherheiten ins Wanken geraten.